Peterhof

Peterhof (russisch Петергоф, ausgesprochen „PEH-ter-chof“) ist eine Stadt im westlichen Teil von Sankt Petersburg, die am Südufer des Finnischen Meerbusens liegt und heute rund 90.000 Einwohner zählt. Was einst als bescheidene Raststation Peters des Großen begann, wurde im frühen 18. Jahrhundert zu einem der prächtigsten Herrschersitze der Welt ausgebaut – einem Ensemble aus Palästen, Gärten und Fontänen, das bewusst mit Versailles konkurrieren sollte. Kein Wunder also, dass Peterhof schon bald den Beinamen „die russische Versailles“ erhielt und bis heute als eines der eindrucksvollsten Zeugnisse imperialer Baukunst in Europa gilt.

Im Mittelpunkt des städtischen Lebens und des internationalen Tourismus steht die Sommerresidenz der Zaren mit ihrem weltberühmten Fontänenschloss und dem Großen Palast, der sich auf einer Terrasse hoch über dem Unteren Park erhebt. Von dort stürzen die Wasserspiele in einem spektakulären Kaskadensystem in Richtung Meer – insgesamt über 150 Fontänen und mehr als 4 Kilometer vergoldete Skulpturen, die allesamt ohne moderne Pumptechnik allein durch natürlichen Wasserdruck funktionieren. Dieses ingenieurtechnische Meisterwerk aus dem Jahr 1723 ist bis heute vollständig in Betrieb und zieht jährlich Millionen von Besuchern aus der ganzen Welt in seinen Bann.

Doch Peterhof ist weit mehr als eine touristische Kulisse: Die Stadt besitzt eine lebendige Gemeinschaft, eine eigene Universität und eine von Grünflächen durchzogene Innenstadt, die noch immer von der großzügigen Stadtplanung der Zarenzeit geprägt ist. Wer Sankt Petersburg besucht, kann Peterhof bequem per Tragflächenboot über den Finnischen Meerbusen oder per Zug in rund einer Stunde erreichen – und erlebt dabei einen der seltenen Orte, an denen russische Geschichte, Architektur und Natur auf engstem Raum zu einem unvergesslichen Gesamtbild verschmelzen.

Russischer NameПетергоф
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Fakten: Peterhof

RegionSankt Petersburg
Bevölkerung90.000
Koordinaten59.88°N, 29.90°O
Bekannt fürFontänenschloss, Zarensommer-Residenz
90.000
Bevölkerung
Einwohner
Sankt Petersbur
Föderalsubjekt
Region
59.9°N
Koordinate
Breite
Flagge
Flagge
Wappen
Wappen
29.9°O
Koordinate
Länge

🏛 Verwaltung

BürgermeisterIrina Drokowa
BehördeVerwaltung der Stadt Peterhof
AnschriftEntwicklungsstraße 2, Peterhof
Websitepeterhofgorod.ru

Lage in Russland


Geschichte

Peterhof – auf Russisch Петергоф (Petergof) – wurde im frühen 18. Jahrhundert auf Befehl Zar Peters des Großen gegründet und zählt heute zu den beeindruckendsten Palast- und Gartenanlagen der Welt. Die Idee zur Anlage entstand nach Peters Besuch von Versailles im Jahr 1717: Der russische Zar wollte eine noch prachtvollere Residenz schaffen, die Russlands neuen Machtanspruch als europäische Großmacht symbolisieren sollte. Bereits 1723 wurde Peterhof offiziell eingeweiht, obwohl die Bauarbeiten unter der Leitung von Architekten wie Jean-Baptiste Le Blond und später Bartolomeo Francesco Rastrelli noch jahrzehntelang andauerten. Die einzigartige Lage am Südufer des Finnischen Meerbusens ermöglichte ein ausgeklügeltes Fontänensystem, das ohne Pumpen allein durch natürlichen Wasserdruck funktioniert – ein ingenieurtechnisches Meisterwerk seiner Zeit.

Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts entwickelte sich Peterhof unter aufeinanderfolgenden Zaren zur bevorzugten Sommerresidenz der Romanow-Dynastie und erlebte mehrere bedeutende Ausbau- und Umgestaltungsphasen. Kaiserin Elisabeth ließ den Großen Palast im prächtigen Stil des russischen Barocks durch Rastrelli erweitern, während Katharina die Große klassizistische Elemente in die Gartenanlage einfügte. Peterhof war nicht nur kaiserlicher Rückzugsort, sondern auch politischer Bühne: Hier empfingen die Zaren ausländische Würdenträger, und spektakuläre Hoffeste zogen die Augen ganz Europas auf sich. Der gesamte Komplex aus Palästen, Pavillons, Kaskaden und mehr als 150 Fontänen machte Peterhof seinem Beinamen „russisches Versailles“ alle Ehre – und überstrahlte sein französisches Vorbild in mancherlei Hinsicht sogar.

Das 20. Jahrhundert brachte für Peterhof eine Phase der Zerstörung und des mühevollen Wiederaufbaus. Nach der Oktoberrevolution von 1917 wurde die Anlage verstaatlicht, in „Petrodworez“ (Петродворец) umbenannt und als Museum für die breite Bevölkerung geöffnet. Den schwersten Schlag erlitt Peterhof jedoch im Zweiten Weltkrieg: Deutsche Truppen besetzten die Anlage von 1941 bis 1944, plünderten sie systematisch und hinterließen weitgehend verbrannte und zerstörte Gebäude. Die Fontänen sprengten die Angreifer absichtlich, Kunstschätze wurden geraubt oder vernichtet. Nach der Befreiung begann eine der größten Restaurierungsleistungen der sowjetischen Geschichte: Generationen von Handwerkern, Kunsthistorikern und Restauratoren arbeiteten jahrzehntelang daran, die Pracht der Anlage originalgetreu wiederherzustellen. Seit 1997 trägt die Stadt wieder ihren historischen Namen Peterhof, und der gesamte Komplex ist seit 1990 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Wirtschaft

Peterhof ist wirtschaftlich eng mit seiner Funktion als bedeutendstes Touristenziel Russlands verknüpft. Der Staatliche Museumskomplex „Peterhof“ – mit dem weltberühmten Schlosspark und seinen mehr als 150 Springbrunnen – ist der mit Abstand größte Arbeitgeber und Motor der lokalen Wirtschaft. Jährlich besuchen mehrere Millionen Touristen aus aller Welt die Anlage, was dem Bezirk erhebliche Einnahmen aus dem Kultur- und Gastgewerbe sichert. Hotels, Restaurants, Souvenirläden und Transportdienstleistungen profitieren unmittelbar vom Besucherstrom und bilden gemeinsam einen ausgeprägten Dienstleistungssektor, der für einen Großteil der Beschäftigung in der Stadt verantwortlich ist.

Neben dem Tourismus spielt die wissenschaftliche und bildungsbezogene Infrastruktur eine wichtige wirtschaftliche Rolle. In Peterhof befinden sich mehrere Fakultäten und Institute der renommierten Staatlichen Universität Sankt Petersburg (SPbGU), darunter naturwissenschaftliche und technische Fachrichtungen, die den Stadtbezirk zu einem bedeutenden Hochschul- und Forschungsstandort machen. Hinzu kommen kleinere produzierende Betriebe sowie Einrichtungen der kommunalen Versorgung. Im Vergleich zu anderen Stadtbezirken Sankt Petersburgs ist die Schwerindustrie in Peterhof kaum vertreten; die wirtschaftliche Identität des Ortes wird stattdessen durch Kultur, Wissenschaft und Dienstleistungen geprägt – eine Kombination, die Peterhof zu einem attraktiven, wenn auch von saisonalen Schwankungen abhängigen Wirtschaftsstandort macht.

Bildung & Wissenschaft

Peterhof ist nicht nur eine Schatzkammer der Gartenkunst, sondern auch ein bedeutender Bildungs- und Wissenschaftsstandort im Südwesten Sankt Petersburgs. Auf dem Gelände des Stadtteils befindet sich der naturwissenschaftliche Campus der Staatlichen Universität Sankt Petersburg (SpbGU), einer der renommiertesten Hochschulen Russlands, gegründet 1724 auf Initiative Peters des Großen. Hier sind vor allem die Fakultäten für Mathematik, Physik, Chemie und Geowissenschaften angesiedelt, die in modernen Lehr- und Forschungsgebäuden arbeiten. Ergänzt wird das akademische Umfeld durch das Physikalische Forschungsinstitut der Universität sowie verschiedene Laboratorien, die an internationalen wissenschaftlichen Projekten beteiligt sind. Die Konzentration naturwissenschaftlicher Disziplinen auf dem Peterhof-Campus hat dem Stadtteil den inoffiziellen Ruf als „Wissenschaftliche Stadt“ eingebracht und zieht jährlich Tausende von Studierenden und Forschenden aus ganz Russland und dem Ausland an.


Kultur & Sport

Peterhof ist weit mehr als eine bloße Freilichtkulisse für Touristen – die Stadt besitzt ein eigenständiges kulturelles Leben, das ihre Bewohner das ganze Jahr über begleitet. Im Zentrum steht das renommierte Staatliche Museumsreservat Peterhof, das nicht nur die weltberühmten Fontänenanlagen und Schlösser beherbergt, sondern auch regelmäßig Konzerte, Ausstellungen und Festlichkeiten organisiert, an denen Einheimische aktiv teilnehmen. Das traditionelle Fontänenfest zur Eröffnung der Saison im Mai und das feierliche Abschlusskonzert im Oktober sind für die Bewohner Peterhofs echte Höhepunkte im Jahreskalender – Momente kollektiver Identität, die die Stadt von allen anderen Vororten Sankt Petersburgs unterscheidet. Darüber hinaus pflegt Peterhof eine lebendige Museumslandschaft: Das Staatliche Uhrenmuseum sowie mehrere historische Pavillons und Nebengebäude des Schlosskomplexes bieten Bildungsangebote für Schulklassen und Kulturinteressierte aus der gesamten Region.

Auch das sportliche und gesellschaftliche Leben in Peterhof ist gut entwickelt. Die Stadt verfügt über mehrere Sportschulen und -vereine, wobei Rudern und Segeln aufgrund der Nähe zum Finnischen Meerbusen eine besondere Tradition haben. Der lokale Yachtclub am Südostufer des Meerbusens ist ein beliebter Treffpunkt für Wassersportbegeisterte jeden Alters. Für Familien und Freizeitsportler stehen gepflegte Parkanlagen, Laufwege entlang der Küste sowie Eislaufbahnen in der kälteren Jahreszeit zur Verfügung. Das gesellschaftliche Leben konzentriert sich auf den zentralen Prospekt Revolutsii mit seinen Cafés und kleinen Geschäften, wo sich Peterhofs Bürger zum Alltag jenseits des Touristenrummels treffen. Eine besondere Rolle spielen die zahlreichen Bildungseinrichtungen – darunter Filialen des Staatlichen Agraruniversität Sankt Petersburg – die der Stadt einen studentisch-intellektuellen Charakter verleihen und das kulturelle Angebot nachhaltig bereichern.

Tourismus

Peterhof, rund 30 Kilometer westlich von Sankt Petersburg an der Südküste des Finnischen Meerbusens gelegen, zählt zu den eindrucksvollsten Schloss- und Parkanlagen der Welt. Die von Peter dem Großen als russische Antwort auf Versailles konzipierte Zarensommer-Residenz beeindruckt mit über 150 Springbrunnen und Kaskaden, darunter die berühmte Große Kaskade mit der goldenen Samson-Skulptur als absolutem Herzstück. Westliche Besucher sollten sich ausreichend Zeit für den Unteren Park direkt am Meeresufer einplanen, wo die Fontänenanlagen in ihrer vollen Pracht zu erleben sind, aber auch der etwas ruhigere Obere Park lohnt einen ausgedehnten Spaziergang. Das Große Palais selbst gewährt faszinierende Einblicke in das höfische Leben der Romanow-Dynastie, während kleinere Nebengebäude wie das Monplaisir-Schlösschen oder die Eremitage eine intimere Atmosphäre bieten. Besonders empfehlenswert ist die Anreise per Tragflügelboot (Meteor) ab Sankt Petersburg – die Fahrt über den Finnischen Meerbusen dauert nur rund 30 Minuten und ist selbst ein Erlebnis.

Die beste Reisezeit für Peterhof liegt zwischen Mai und September, wenn die Fontänenanlagen in Betrieb sind – außerhalb dieser Saison bleiben die Springbrunnen abgestellt, was den Besuch deutlich weniger spektakulär macht. Der Fontänensaison-Start im Mai sowie das traditionelle Herbstfest im September locken mit besonderen Veranstaltungen und sind daher besonders lohnenswert. Um den Massen zu entgehen, empfiehlt sich ein Besuch unter der Woche und möglichst früh am Morgen, da Peterhof gerade in den Sommermonaten stark frequentiert ist. Kulinarisch sollten Besucher die Restaurants und Cafés im Parkgelände nicht als erste Wahl betrachten – besser ist ein Mittagessen in einem der gemütlichen Lokale im nahe gelegenen Städtchen Peterhof selbst, wo man traditionelle russische Küche mit Borschtsch, Piroschki und Blini zu vernünftigen Preisen genießen kann. Wer plant, mehrere Schlösser und Museen zu besuchen, sollte die kombinierten Eintrittskarten im Voraus online erwerben, um lange Warteschlangen an den Kassen zu vermeiden.


Sehenswürdigkeiten

Der Große Palast – Krönung barocker Pracht

Der Bolschoi Dvorez, zu Deutsch der Große Palast, thront majestätisch auf einer Terrasse über dem Finnischen Meerbusen und bildet das architektonische Herzstück von Peterhof. Zar Peter der Große ließ ihn als bescheidenes Lustschloss errichten, bevor Kaiserin Elisabeth ihn von Bartolomeo Francesco Rastrelli zu einem prachtvollen Barockpalais umgestalten ließ. Heute beherbergt er reich ausgestattete Staatsräume und zieht jährlich Hunderttausende Besucher aus aller Welt an.

Die Große Kaskade – das achte Weltwunder aus Wasser und Gold

Die Bolschaja Kaskad ist das wohl beeindruckendste Fontänensystem der Welt und der eigentliche Grund, warum Peterhof als „russisches Versailles“ gilt. Über 60 Wasserfontänen und mehr als 250 vergoldete Skulpturen erstrecken sich die Terrassen hinunter bis zum Seekanal – und das ganz ohne Pumpen, denn das System funktioniert allein durch natürlichen Wasserdruck. Das zentrale Meisterwerk, die vergoldete Samson-Fontäne, symbolisiert den russischen Sieg über Schweden und schleudert ihr Wasser bis zu 21 Meter in die Höhe.

Der Untere Garten – ein Spaziergang zwischen Fontänen und Geschichte

Der Nischni Park erstreckt sich auf rund 102 Hektar direkt am Ufer des Finnischen Meerbusens und ist einer der schönsten Landschaftsgärten Russlands. Gesäumt von alten Linden- und Eichenbäumen laden breite Alleen zu ausgedehnten Spaziergängen ein, während versteckte Scherzfontänen – sogenannte Scherz-Wasserspiele – besonders Kinder immer wieder überraschen. Der Seekanal durchschneidet den Park in gerader Linie und schafft eine dramatische Sichtachse vom Palast bis hinaus auf das offene Wasser.

Monplaisir – Peters persönliches Refugium am Meer

Das bescheidene Lustschloss Monplaisir war der persönliche Lieblingsaufenthalt Peters des Großen – sein Name bedeutet auf Französisch schlicht „Mein Vergnügen“. Direkt am Ufer des Finnischen Meerbusens gelegen, spiegelt der holländisch inspirierte Bau die Vorliebe des Zaren für maritime Schlichtheit wider, ganz im Gegensatz zur barocken Prachtentfaltung des Großen Palastes. Im Inneren sind originale Gemäldesammlungen, persönliche Gegenstände Peters und die stimmungsvolle Meereshalle erhalten geblieben.

Das Schloss Marly – Eleganz am Teich

Marly, benannt nach dem französischen Königsschloss Marly-le-Roi, ist ein zweigeschossiges Sommerpalais im westlichen Teil des Unteren Gartens, das Peter der Große nach seiner Europa-Reise erbauen ließ. Das Gebäude wird von zwei Teichen flankiert, in denen einst die Fische für den Zarenhof gezüchtet wurden – eine Tradition, die an manchen Tagen noch immer fortgeführt wird. Das restaurierte Interieur gibt einen intimen Einblick in den Alltag der Zarenfamilie im frühen 18. Jahrhundert.

Die Ermitage – ein Palast für exklusive Gesellschaft

Die kleine Ermitage in Peterhof – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Weltmuseum in Sankt Petersburg – war ein raffiniertes zweistöckiges Speisepalais, das Peter der Große für seine engsten Vertrauten errichten ließ. Ein ausgeklügelter Mechanismus ermöglichte es, gedeckte Tische durch eine Öffnung im Boden hinaufzufahren, sodass die Gäste speisen konnten, ohne von Bediensteten gestört zu werden. Das elegant restaurierte Gebäude steht auf einem kleinen Inselchen am Ufer und ist über eine Zugbrücke erreichbar.

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