Rauchen, Alkohol & Medikamente in Russland: Was 2026 erlaubt ist

Alltag & Recht in Russland

Diese Frage kam diese Woche von einem Leser: „Darf man in Russland eigentlich auf der Straße rauchen?“ Die kurze Antwort lautet ja — aber die Liste der Orte, an denen es verboten ist, ist länger als die meisten erwarten, und sie enthält mindestens eine echte Überraschung. Weil dieselbe Unsicherheit auch beim Bier im Park und beim Schmerzmittel im Koffer besteht, behandeln wir hier alles drei zusammen — mit den konkreten Paragrafen, den Bußgeldhöhen und dem Punkt, der für Ausländer wirklich zählt: Manche dieser Bußgelder kosten am Ende die Einreise.

Rauchen auf der Straße: erlaubtAm Strand: verbotenAlkohol: Verkauf 23–8 Uhr gesperrtSchmerzmittel: kann Straftat sein

Die kurze Antwort

Rauchen auf der Straße, im Hof, im Park: erlaubt. Ein allgemeines Rauchverbot im Freien gibt es in Russland nicht.

Verboten ist es an genau aufgezählten Orten — unter anderem in Gastronomie und Hotels, in Aufzügen und Treppenhäusern, an Tankstellen, auf Spielplätzen, näher als 15 Meter vor den Eingängen von Bahnhöfen, Flughäfen und Metrostationen — und, was fast niemand weiß: am Strand. Bußgeld: 500 bis 1.500 Rubel.

Alkohol darf man nicht in der Öffentlichkeit trinken — auch nicht im Park, am Ufer, im Hausflur oder im Innenhof. Verkauft wird er nur zwischen 8 und 23 Uhr, in einigen Regionen deutlich kürzer.

Medikamente sind der gefährlichste Punkt: Mittel, die in Deutschland rezeptfrei oder ganz normal verschreibungsfähig sind, gelten in Russland teils als Betäubungsmittel oder „starkwirksamer Stoff“. Die Einfuhr ohne Nachweis ist dann kein Bußgeld, sondern eine Straftat mit Freiheitsstrafe ab drei Jahren.

Und der Punkt, der in den meisten deutschen Texten fehlt: Für Ausländer sind zwei dieser Bußgelder innerhalb eines Jahres ein Grund, die Wiedereinreise für fünf Jahre zu verweigern. Nicht „kann“ — sondern zwingend. Warum das so ist und welche Verstöße genau darunter fallen, steht weiter unten im Abschnitt zur Einreisesperre.

Rauchen: wo es erlaubt ist und wo nicht

Grundlage ist das Föderale Gesetz Nr. 15-ФЗ vom 23. Februar 2013, im Alltag schlicht „Antitabak-Gesetz“ genannt. Es funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Erlaubt ist alles, was nicht ausdrücklich verboten ist. Artikel 12 enthält die abschließende Liste der verbotenen Orte — was dort nicht steht, ist zulässig. Deshalb darf man auf dem Gehweg, im Park, im Innenhof und an der Bushaltestelle rauchen. Ein Bußgeld gibt es dafür nicht.

Seit einer Gesetzesänderung von 2020 gilt jedes Verbot in gleicher Weise für Zigaretten, für nikotinhaltige Produkte wie E-Zigaretten, Vapes und Tabakerhitzer (IQOS, Glo) und für Wasserpfeifen. Wer also glaubt, mit dem Vape an einer Stelle davonzukommen, an der die Zigarette verboten ist, irrt: Der Gesetzestext nennt alle drei in einem Atemzug.

Die verbotenen Orte im Einzelnen

OrtWas genau gilt
Bildung, Kultur, Sport, JugendAuf dem gesamten Gelände und in allen Räumen — nicht nur im Gebäude.
Medizin, Reha, Sanatorien, KurorteGelände und Räume. Betrifft auch Kur- und Wellnesshotels mit medizinischer Lizenz.
Fernzüge und Schiffe auf großer FahrtIm gesamten Zug. Auf Schiffen kann der Eigner ausgewiesene Raucherzonen einrichten.
Flugzeuge und der gesamte NahverkehrBus, Trolleybus, Straßenbahn, Metro, Vorortzüge, städtische Fähren.
15 Meter vor Bahnhöfen, Flughäfen, Metro, See- und FlusshäfenGemessen ab dem Eingang, im Freien. Innerhalb der Passagierbereiche und auf Metrostationen ohnehin verboten.
Hotels und UnterkünfteAlle Räume, die der Beherbergung dienen. Raucherzimmer sind nicht vorgesehen.
Handel, Märkte, Verkaufsstände, DienstleistungenInnenräume von Läden, Marktgebäuden und Kiosken.
Behörden und kommunale EinrichtungenAlle Diensträume.
Arbeitsplätze in InnenräumenAuch das eigene Büro.
Aufzüge und Gemeinschaftsräume von MehrfamilienhäusernTreppenhaus, Flur, Keller. Der häufigste Streitpunkt unter Nachbarn.
Spielplätze und SträndeDer Strand steht wörtlich im Gesetz — „в границах территорий, занятых пляжами“. Das überrascht regelmäßig Gäste in Sotschi, auf der Krim oder in Kaliningrad.
Bahnsteige des NahverkehrsAusdrücklich nur Bahnsteige, die dem Vorortverkehr dienen. Auf Fernbahnsteigen gilt das Verbot nicht — dort greift aber die 15-Meter-Regel vor dem Bahnhofsgebäude.
TankstellenDas gesamte Gelände.
GastronomieAlle Innenräume von Restaurants, Cafés und Bars.
Der Strand ist die eigentliche Falle. Am Gehweg zu rauchen ist erlaubt, zehn Meter weiter im Sand nicht mehr. In der Praxis wird das an belebten Kurstränden durchaus kontrolliert, und die Rechtsgrundlage ist eindeutig. Wer am Meer raucht, geht dafür auf die Promenade.

Wo trotzdem geraucht werden darf

Das Gesetz kennt drei Ausnahmen, über die jeweils der Eigentümer entscheidet: ausgewiesene Raucherbereiche im Freien oder belüftete Raucherräume auf Schiffen; ebensolche Bereiche in Mehrfamilienhäusern, wenn die Eigentümerversammlung das beschließt; und — seit einer Änderung von 2019 — abgetrennte, belüftete Raucherräume in Flughäfen hinter der Sicherheitskontrolle und in Transitbereichen. Große russische Flughäfen wie Scheremetjewo und Pulkowo haben solche Räume tatsächlich eingerichtet.

In der eigenen Wohnung darf geraucht werden. Das Gesetz erfasst nur die Gemeinschaftsflächen. Umstritten ist der eigene Balkon: Die Brandschutzverordnung verbietet offenes Feuer auf Balkonen, und eine glimmende Zigarette wurde von manchen als solches gewertet. Das russische Katastrophenschutzministerium hat dazu klargestellt, dass die Brandschutzregeln das Rauchen auf dem eigenen Balkon nicht verbieten. Wer allerdings so raucht, dass daraus eine Brandgefahr entsteht, riskiert ein Bußgeld von 5.000 bis 15.000 Rubel — und auf dem gemeinsamen Balkon eines Wohnhauses gilt ohnehin das Rauchverbot.

Was es kostet

VerstoßBußgeldNorm
Rauchen an verbotenem Ort500 – 1.500 ₽КоАП ст. 6.24 ч. 1
Rauchen auf einem Spielplatz2.000 – 3.000 ₽КоАП ст. 6.24 ч. 2
Minderjährige zum Rauchen verleiten2.000 – 5.000 ₽КоАП ст. 6.23 ч. 1

Umgerechnet sind das etwa 5 bis 17 Euro — eine Summe, die niemanden ruiniert. Der eigentliche Preis steht in einem anderen Gesetz, und darum geht es im vorletzten Abschnitt.

Zigaretten kaufen: strenger als in Deutschland

Wer in Russland Tabak kaufen will, merkt schnell, dass der Handel stark reguliert ist. Das Gesetz erlaubt den Verkauf nur in Läden und festen Verkaufspavillons. Automatenverkauf, Versandhandel, Online-Bestellung, Verkauf auf Messen und Märkten und der Verkauf einzelner Zigaretten sind verboten. Eine Packung muss genau zwanzig Stück enthalten.

  • Die Ware darf nicht sichtbar ausliegen. Es gibt eine reine Textliste — schwarze Buchstaben auf weißem Grund, alphabetisch. Deshalb wirken russische Kassenbereiche auf Deutsche seltsam leer.
  • Kein Verkauf näher als 100 Meter zu einer Bildungseinrichtung — Luftlinie, ohne Rücksicht auf Umwege.
  • Kein Verkauf an Bahnhöfen, Flughäfen, in Häfen und in der Metro — ausgenommen Duty-free-Läden. Der Klassiker: Wer am Bahnhof feststellt, dass die Packung leer ist, muss den Bahnhof verlassen.
  • Snus, Kautabak und Nasvay sind komplett verboten — Groß- wie Einzelhandel. Für Reisende aus Skandinavien oder mit Snus-Gewohnheit ist das relevant.
  • Liquids mit mehr als 20 mg/ml Nikotin dürfen nicht verkauft werden.
  • Verkauf an Minderjährige ist verboten; wer jung aussieht, muss den Ausweis zeigen. Auch der Konsum durch Minderjährige ist untersagt.
Was sich 2026 und 2027 ändert. Ab 1. Oktober 2026 wird der Handel mit Tabak- und Nikotinprodukten lizenzpflichtig — kleine Kioske dürften damit weitgehend verschwinden. Und im Juni 2026 hat die Staatsduma ein Gesetz beschlossen, das den Regionen ab 1. März 2027 erlaubt, den Verkauf von Vapes und Liquids auf ihrem Gebiet vollständig zu verbieten; das Ganze ist zunächst als Experiment bis 2032 angelegt. Wer regelmäßig nach Russland reist und Vapes nutzt, sollte das ab 2027 regional prüfen — ein Kaufverbot betrifft den Handel, nicht den Besitz, aber ohne Läden nützt das wenig.

Alkohol: Uhrzeiten, Orte und ein hartnäckiges Klischee

Kaum ein Klischee hält sich so zäh wie das vom hemmungslosen Trinken in Russland. Die Rechtslage ist das Gegenteil: Russland reguliert Alkohol schärfer als Deutschland. Maßgeblich ist das Föderale Gesetz Nr. 171-ФЗ, dessen Artikel 16 sowohl den Verkauf als auch das Trinken regelt.

Verkaufszeiten: 23 bis 8 Uhr ist Schluss

Föderal gilt: Zwischen 23 und 8 Uhr Ortszeit darf kein Alkohol im Einzelhandel verkauft werden. Ausgenommen sind Gastronomie, Duty-free-Läden und Bordvorräte in Flugzeugen und auf Schiffen. Im Supermarkt wird der Alkoholbereich zur Sperrzeit oft sichtbar abgesperrt oder die Kasse verweigert schlicht den Scan.

Entscheidend ist der zweite Teil derselben Vorschrift: Die Regionen dürfen zusätzliche Beschränkungen von Zeit, Ort und Bedingungen erlassen — bis hin zum vollständigen Verkaufsverbot. Nur die Gastronomie ist von dieser Ermächtigung ausgenommen. Genau davon machen immer mehr Regionen Gebrauch, und das erklärt, warum pauschale Angaben im Netz so oft falsch sind.

Beispiel Oblast Wologda. Dort darf Alkohol an gewöhnlichen Werktagen nur noch von 12 bis 14 Uhr verkauft werden — zwei Stunden am Tag. An Feiertagen wie dem 9. Mai, dem 8. März oder in den Neujahrstagen gelten Ausnahmen, zum 1. März 2026 sind weitere Verschärfungen in Kraft getreten. Andere Regionen haben eigene Fenster. Verlass dich nie auf „ab 8 Uhr“ — das ist nur die föderale Untergrenze. Im Zweifel im Laden fragen oder tagsüber einkaufen.

Wo gar nicht verkauft wird

Unabhängig von der Uhrzeit ist der Verkauf an einer ganzen Reihe von Orten untersagt: in Bildungs- und medizinischen Einrichtungen und auf den angrenzenden Flächen, auf Sportanlagen, auf Groß- und Einzelhandelsmärkten, im gesamten Nah- und Stadtverkehr einschließlich der Haltestellen und Metrostationen, an Tankstellen, auf Bahnhöfen und in Flughäfen, in Verkaufsständen ohne festes Gebäude sowie bei öffentlichen Versammlungen und in deren Umfeld.

  • Kein Online-Handel. Der Fernabsatz von Alkohol ist in Russland ausdrücklich verboten — Lieferdienste dürfen Wein oder Bier nicht mitliefern. Was manche Apps trotzdem anbieten, bewegt sich in einer Grauzone.
  • Keine PET-Flaschen über 1,5 Liter. Größere Kunststoffgebinde sind unzulässig — ein Schlag gegen billiges Fassbier in Zwei-Liter-Flaschen.
  • Abgabe erst ab 18, der Verkäufer darf den Ausweis verlangen. Bei ausländischen Gästen ist der Pass das übliche Dokument; eine deutsche Führerscheinkarte wird nicht überall akzeptiert.

Trinken in der Öffentlichkeit: verboten, und zwar umfassend

Das ist der Punkt, der deutsche Besucher am häufigsten kalt erwischt. Das Bier auf der Parkbank, der Sekt am Ufer, das Feierabendgetränk im Hof — all das ist in Russland eine Ordnungswidrigkeit. Das Gesetz zählt ausdrücklich auf: Innenhöfe, Hauseingänge, Treppen und Treppenabsätze, Aufzüge, Spielplätze sowie sämtliche Erholungszonen — darunter Stadtwälder, Skwer, Parks, Stadtgärten, Teiche, Seen, Stauseen und Strände — und darüber hinaus „andere öffentliche Orte“, was die Straße einschließt.

Die Ausnahme ist die Gastronomie: Getränke, die in einem Lokal gekauft wurden, dürfen dort und in dessen Saisonterrasse konsumiert werden — aber nur dort. Das Glas mit auf die Straße zu nehmen ist bereits der Verstoß.

VerstoßSanktionNorm
Alkohol an verbotenem Ort trinken500 – 1.500 ₽КоАП ст. 20.20 ч. 1
Betrunken in der Öffentlichkeit, in würdeverletzendem Zustand500 – 1.500 ₽ oder Arrest bis 15 TageКоАП ст. 20.21
Minderjährige unter 16 in berauschtem ZustandBußgeld gegen Eltern/VertreterКоАП ст. 20.22
Praxishinweis zur Gesundheit, nicht zum Recht: Das Auswärtige Amt warnt in seinen Reisehinweisen ausdrücklich vor alkoholhaltigen Produkten unbekannter oder privater Herkunft — es kommt regelmäßig zu Methanolvergiftungen, teilweise mit tödlichem Ausgang. Selbstgebrannter Samogon aus Privathand oder auffällig billiger Wodka aus dem Kiosk gehören in keinen Reisebericht. Im normalen Supermarkt gekaufte, banderolierte Ware ist unproblematisch.

Medikamente: der Abschnitt, den man wirklich lesen sollte

Bis hierher ging es um Bußgelder in zweistelliger Euro-Höhe. Jetzt wird es ernst. Der häufigste Weg, auf dem ein völlig unbescholtener deutscher Reisender in Russland in ein Strafverfahren gerät, führt nicht über Drogen, sondern über die Reiseapotheke.

Der Grund ist ein Systemunterschied. Russland arbeitet mit Stofflisten, und diese Listen sind an mehreren Stellen strenger als die deutschen. Ein Präparat, das in Deutschland auf Rezept oder sogar frei erhältlich ist, kann in Russland als Betäubungsmittel oder als „starkwirksamer Stoff“ eingestuft sein. Entscheidend ist nicht, was auf der deutschen Packung steht, sondern in welcher russischen Liste der Wirkstoff auftaucht.

Die typischen Stolpersteine

Codeinhaltige Mittel

Codein steht in der russischen Betäubungsmittel-Mengentabelle: Ab 1 Gramm Wirkstoff beginnt die strafrechtlich „erhebliche Menge“. Betrifft manche Hustensäfte und Kombi-Schmerzmittel.

Tramadol

In Deutschland ein gewöhnliches Schmerzmittel, in Russland als starkwirksamer Stoff gelistet. Genau daran scheitern regelmäßig Reisende, die es aus dem Ausland mitbringen.

ADHS- und Psychopharmaka

Amphetaminhaltige Präparate gelten als Betäubungsmittel; die Schwelle liegt bei 0,2 Gramm. In Russland sind viele dieser Wirkstoffe schlicht nicht zugelassen.

CBD- und Hanfprodukte

Das Auswärtige Amt warnt ausdrücklich vor legal in Deutschland gekauften cannabishaltigen Waren — Fruchtgummis, Medikamente, sogar Kosmetika. In Russland kann das eine Straftat sein.

Warum das eine Straftat und keine Ordnungswidrigkeit ist

Beim Besitz im Inland gibt es eine Schwelle: Erst ab der „erheblichen Menge“ greift das Strafrecht, darunter bleibt es eine Ordnungswidrigkeit. An der Grenze gilt diese Schwelle nicht. Das ist der entscheidende Unterschied, den fast alle übersehen:

  1. Betäubungsmittel über die Grenze

    Artikel 229.1 des Strafgesetzbuchs stellt das unerlaubte Verbringen von Betäubungsmitteln über die Zollgrenze unter Strafe — ohne Mindestmenge im Grundtatbestand. Strafrahmen: drei bis sieben Jahre Freiheitsstrafe. Bei „erheblicher Menge“ beginnt der Rahmen bei fünf, bei „großer Menge“ bei zehn Jahren.

  2. Starkwirksame Stoffe über die Grenze

    Für Stoffe wie Tramadol greift Artikel 226.1 Absatz 1.1 — seit einer Änderung von 2024 ausdrücklich als eigener Tatbestand. Ebenfalls ohne Mengenschwelle, ebenfalls drei bis sieben Jahre.

  3. Nachschicken hilft nicht

    Der Postversand von Betäubungsmitteln ist gesondert verboten, ausdrücklich auch im internationalen Postverkehr. Ein Paket mit Medikamenten hinterherzuschicken ist also keine Lösung, sondern ein zweites Problem.

Diese Paragrafen sind kein theoretisches Risiko. Russische Medien berichten regelmäßig über Strafverfahren gegen Reisende, die im Ausland gekaufte Schmerzmittel mitgeführt haben. Betroffen sind ganz überwiegend Menschen ohne jede kriminelle Absicht, die schlicht ihre gewohnte Medikation dabeihatten.

Was man konkret tun sollte

  • Vorab prüfen, ob der Wirkstoff in Russland als Betäubungsmittel oder starkwirksamer Stoff gilt. Im Zweifel beim russischen Konsulat nachfragen — schriftlich, damit die Antwort belegbar ist.
  • Rezept mitführen, im Original, zusammen mit dem Beipackzettel. Eine beglaubigte russische Übersetzung ist kein gesetzliches Muss, macht die Sache an der Grenze aber erheblich einfacher.
  • Nur die Menge für die Reisedauer mitnehmen, in der Originalverpackung mit lesbarem Etikett. Lose Tabletten in einer Dosette sind schwer zuzuordnen.
  • Deklarieren. Wer kritische Präparate dabeihat, geht durch den roten Kanal und meldet sie an. Das kostet zwanzig Minuten und ist der Unterschied zwischen einer Kontrolle und einem Verfahren. Wie die Zollanmeldung funktioniert, steht in unserem Ratgeber zu den Zollbestimmungen.
  • Ersatz vor Ort klären. Viele Wirkstoffe gibt es in Russland unter anderem Namen. Ein Arzt vor Ort kann verschreiben — Betäubungsmittel allerdings nur auf besonderem Rezeptformular und über Apotheken mit entsprechender Lizenz.

Betäubungsmittel: keine Grauzone, keine Eigenbedarfsregel

Dieser Abschnitt lässt sich kurz halten, weil es nichts abzuwägen gibt. Der Konsum von Betäubungsmitteln ohne ärztliche Verordnung ist in Russland gesetzlich verboten. Eine Entkriminalisierung geringer Mengen wie in mehreren europäischen Ländern gibt es nicht, und die deutsche Cannabis-Rechtslage seit 2024 spielt in Russland keinerlei Rolle. Wer aus Deutschland die Vorstellung mitbringt, kleine Mengen seien „Eigenbedarf“ und damit halb legal, liegt fundamental falsch.

Wie das System aufgebaut ist

FallgruppeFolgeNorm
Besitz unterhalb der „erheblichen Menge“Ordnungswidrigkeit: 4.000 – 5.000 ₽ oder Arrest bis 15 Tage. Für Ausländer: Bußgeld plus Ausweisung.КоАП ст. 6.8
Konsum ohne ärztliche VerordnungOrdnungswidrigkeit; für Ausländer ebenfalls mit Ausweisung. Das gilt auch für die Weigerung, sich untersuchen zu lassen.КоАП ст. 6.9
Konsum auf der Straße, im Park, im ÖPNV durch Ausländer4.000 – 5.000 ₽ mit AusweisungКоАП ст. 20.20 ч. 3
Besitz ab „erheblicher Menge“Straftat: bis 3 Jahre FreiheitsstrafeУК РФ ст. 228 ч. 1
Besitz ab „großer Menge“3 bis 10 JahreУК РФ ст. 228 ч. 2
Besitz ab „besonders großer Menge“10 bis 15 JahreУК РФ ст. 228 ч. 3
Einfuhr über die Grenzeab 3 Jahren, ohne MengenschwelleУК РФ ст. 229.1

Wo die Schwellen liegen, legt eine Regierungsverordnung fest. Ein paar Zahlen zur Einordnung: Bei Cannabis beginnt die „erhebliche Menge“ bei 6 Gramm, die „große“ bei 100 Gramm; bei Haschisch bei 2 beziehungsweise 25 Gramm; bei Amphetamin bei 0,2 Gramm. Diese Zahlen stehen hier nicht, damit jemand rechnet, sondern damit sichtbar wird, wie niedrig die Schwelle zur Freiheitsstrafe liegt — sechs Gramm sind keine Menge, über die irgendjemand lange nachdenkt.

Für Ausländer ist schon die Ordnungswidrigkeit existenziell. Anders als bei Russen sieht das Gesetz bei ausländischen Staatsbürgern in diesen Fällen die Ausweisung aus der Russischen Föderation vor. Eine Ausweisung zieht regelmäßig ein mehrjähriges Einreiseverbot nach sich — für Menschen mit Familie, Wohnung oder Arbeit in Russland bedeutet das den Abbruch des Lebensmittelpunkts.

Warum kleine Bußgelder ein großes Problem sein können

Jetzt kommt der Zusammenhang, wegen dem dieser Artikel überhaupt nötig ist. Das Gesetz über Ein- und Ausreise, Nr. 114-ФЗ, knüpft an Ordnungswidrigkeiten Rechtsfolgen für die Einreise. Und es unterscheidet dabei sehr genau:

Zwei Verstöße in einem Jahr → 5 Jahre gesperrt

Wer als Ausländer zweimal oder öfter innerhalb eines Jahres wegen einer Ordnungswidrigkeit gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit belangt wird, dem wird die Einreise verweigert — fünf Jahre ab der letzten rechtskräftigen Entscheidung. Kein Ermessen. [114-ФЗ ст. 27 п. 11]

Zwei Verstöße in drei Jahren → 3 Jahre möglich

Bei beliebigen Ordnungswidrigkeiten — zweimal in drei Jahren — kann die Einreise für drei Jahre verweigert werden. Hier hat die Behörde Ermessen, das aber durchaus ausgeübt wird. [114-ФЗ ст. 26 п. 4]

Der Unterschied ist praktisch bedeutsam, denn die beiden Kategorien liegen in verschiedenen Kapiteln des Ordnungswidrigkeitenkodex:

  • Alkohol in der Öffentlichkeit (20.20) und Trunkenheit (20.21) stehen in Kapitel 20 — „Verstöße gegen die öffentliche Ordnung und Sicherheit“. Damit fallen sie unter die zwingende Fünfjahressperre. Zwei Bier im Park an zwei verschiedenen Abenden innerhalb eines Jahres, beide Male aufgeschrieben: Das reicht.
  • Rauchen (6.24) steht in Kapitel 6 — Gesundheitsschutz. Es fällt damit nicht unter die zwingende Sperre, wohl aber unter die allgemeine Kann-Regel. Zwei Rauchverstöße in drei Jahren können also ebenfalls zum Problem werden.
Praktische Konsequenz: Ein Bußgeldbescheid in Russland ist für einen Ausländer nie „nur“ ein Bußgeld. Wer eines kassiert, sollte es bezahlen, die Quittung aufbewahren — und sehr sorgfältig darauf achten, dass kein zweites dazukommt. Das Auswärtige Amt weist in seinen Reisehinweisen ebenfalls darauf hin, dass Verstöße gegen Rauchverbote Einreisesperren auslösen können.

Wie streng ist das im Alltag wirklich?

Ehrliche Einordnung, weil eine reine Paragrafenliste ein schiefes Bild ergibt: Die Kontrolldichte ist regional und situativ sehr unterschiedlich. In Moskau und Sankt Petersburg wird das Rauchverbot in Gastronomie, Metro und Bahnhofsbereichen konsequent durchgesetzt — dort raucht niemand im Lokal, und niemand versucht es. Auf Spielplätzen und an Kurstränden wird es in der Saison kontrolliert. Am Gehwegrand interessiert es niemanden, weil es dort erlaubt ist.

Beim Alkohol ist das Bild ähnlich: Ein Glas Sekt bei einem Picknick im Park bringt selten jemanden in Schwierigkeiten, sichtbares Trinken aus der Flasche in der Metro oder am Bahnhof schon. Die Polizei kontrolliert dort, wo Beschwerden entstehen. Als Ausländer sollte man sich darauf trotzdem nicht verlassen — nicht weil die Strafe hoch wäre, sondern wegen der Einreisefolgen.

Bei Medikamenten und Betäubungsmitteln gilt das Gegenteil jeder Gelassenheit. Hier ist die Durchsetzung konsequent, die Zollkontrolle an Flughäfen gründlich, und der Ermessensspielraum der Beamten klein: Wenn ein Stoff auf der Liste steht und der Nachweis fehlt, beginnt ein Verfahren.

Rechtliche Einordnung

Die rechtliche Seite der hier beschriebenen Regeln vertiefen wir in unserer Gesetzes-Datenbank: Dort stehen die russischen Rechtsakte im Volltext, mit deutscher Einordnung und Fundstelle.

Rechts-Glossar

Russische Rechtsbegriffe, verständlich erklärt — von Aufenthaltstiteln bis Ordnungswidrigkeit. Zum Glossar

Fälle aus der Praxis

Was Leserinnen und Leser wirklich erlebt haben, juristisch eingeordnet. Zu den Fällen

Dieser Text ist eine journalistische Einordnung der Rechtslage und keine Rechtsberatung. Er ersetzt im Einzelfall weder die Auskunft eines russischen Anwalts noch die des zuständigen Konsulats. Weiterführend: unser Ratgeber zu den Zollbestimmungen und die Übersicht Russland-Reisen.

Häufige Fragen

Darf man in Russland auf der Straße rauchen?

Ja. Ein allgemeines Rauchverbot im Freien gibt es nicht. Das Gesetz Nr. 15-ФЗ zählt die verbotenen Orte abschließend auf — Gehweg, Innenhof, Park und Bushaltestelle gehören nicht dazu. Verboten ist es unter anderem in der Gastronomie, in Hotels, in Aufzügen und Treppenhäusern, an Tankstellen, auf Spielplätzen, am Strand und näher als 15 Meter vor den Eingängen von Bahnhöfen, Flughäfen und Metrostationen.

Was kostet Rauchen an einem verbotenen Ort?

500 bis 1.500 Rubel, auf einem Spielplatz 2.000 bis 3.000 Rubel — nach Artikel 6.24 des Ordnungswidrigkeitenkodex. Umgerechnet etwa 5 bis 35 Euro. Für Ausländer ist allerdings weniger das Bußgeld das Problem als die Tatsache, dass mehrere Ordnungswidrigkeiten die Einreise gefährden können.

Gelten die Regeln auch für E-Zigaretten, Vapes und IQOS?

Ja. Seit 2020 nennt das Gesetz Zigaretten, nikotinhaltige Produkte und Wasserpfeifen ausdrücklich nebeneinander. Jedes Rauchverbot gilt für den Vape genauso. Ab dem 1. März 2027 dürfen die Regionen den Verkauf von Vapes zudem vollständig verbieten.

Darf man in Russland Bier im Park trinken?

Nein. Artikel 16 des Gesetzes Nr. 171-ФЗ verbietet den Alkoholkonsum in Parks, Stadtwäldern, an Seen und Stränden, in Innenhöfen, Hauseingängen und Treppenhäusern sowie an anderen öffentlichen Orten. Bußgeld: 500 bis 1.500 Rubel. Erlaubt ist der Konsum in einem Lokal und auf dessen Terrasse — aber nur mit dort gekauften Getränken.

Ab wann und bis wann kann man Alkohol kaufen?

Föderal gilt ein Verkaufsverbot von 23 bis 8 Uhr Ortszeit. Die Regionen dürfen die Zeiten aber weiter einschränken, und viele tun das: In der Oblast Wologda etwa wird werktags nur zwischen 12 und 14 Uhr verkauft. Die föderale Zeit ist nur die Untergrenze — im Zweifel tagsüber einkaufen.

Kann ich meine Schmerzmittel nach Russland mitnehmen?

Das hängt am Wirkstoff. Codein- und tramadolhaltige Präparate sowie viele ADHS- und Psychopharmaka gelten in Russland als Betäubungsmittel beziehungsweise starkwirksame Stoffe. Ihre Einfuhr ohne Nachweis ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat mit einem Strafrahmen ab drei Jahren — und im Grundtatbestand ohne Mindestmenge. Rezept im Original mitführen, in der Originalverpackung transportieren, im Zweifel deklarieren und vorab beim Konsulat nachfragen.

Sind CBD-Produkte in Russland erlaubt?

Das Auswärtige Amt warnt ausdrücklich vor der Mitnahme in Deutschland legal gekaufter cannabishaltiger Waren — auch Fruchtgummis, Medikamente und Kosmetika. In Russland kann das strafbar sein. Die deutsche Cannabis-Rechtslage hat dort keine Bedeutung.

Kann ein Bußgeld die Einreise nach Russland gefährden?

Ja, und zwar deutlich schneller als die meisten annehmen. Wer als Ausländer zweimal innerhalb eines Jahres wegen eines Verstoßes gegen die öffentliche Ordnung belangt wird — dazu zählt Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit —, dem wird die Einreise zwingend für fünf Jahre verweigert. Bei beliebigen Ordnungswidrigkeiten, zweimal in drei Jahren, kann sie für drei Jahre verweigert werden.

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Rechtsstand: 30. August 2026. Belegt am amtlichen Text auf pravo.gov.ru — Föderales Gesetz Nr. 15-ФЗ vom 23.02.2013 (Tabak, Redaktion vom 29.12.2025), Nr. 171-ФЗ vom 22.11.1995 (Alkohol, Redaktion vom 23.03.2026), Ordnungswidrigkeitenkodex (КоАП РФ), Strafgesetzbuch (УК РФ), Nr. 3-ФЗ vom 08.01.1998 (Betäubungsmittel), Regierungsverordnungen Nr. 1002/2012 und Nr. 964/2007 (Mengen- und Stofflisten), Nr. 114-ФЗ vom 15.08.1996 (Ein- und Ausreise). Praxishinweise zu Medikamenten zusätzlich nach den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts. Dieser Text ist eine journalistische Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung.