⚡ Das Wichtigste in Kürze
- „Rassvet“ von Bjuro 1440 ist Russlands eigenes Satelliten-Internet – das Pendant zu Starlink.
- Seit März 2026 sind die ersten Serien-Satelliten im Orbit; bis Jahresende folgen sieben weitere Starts.
- Versprochen: bis zu 1 Gbit/s bei 50–70 ms Latenz, Abdeckung bis in den hohen Norden.
- Regulärer Betrieb ab etwa 2027 – interessant vor allem für entlegene Regionen, wo Starlink nicht verfügbar ist.
Russland baut derzeit sein eigenes Satelliten-Internet auf: Das Projekt „Rassvet“ (russisch Рассвет, „Morgendämmerung“) des Unternehmens Bjuro 1440 gilt als russische Antwort auf Starlink. Seit März 2026 kreisen die ersten Serien-Satelliten im Orbit, bis Jahresende sind weitere Starts geplant. Für alle, die in Russland leben oder dorthin auswandern möchten, ist das eine spannende Entwicklung – denn Starlink funktioniert in Russland nicht, und außerhalb der Städte ist schnelles Internet bis heute keine Selbstverständlichkeit. Wir fassen zusammen, was hinter Rassvet steckt, wie weit das Projekt ist und was es im Alltag bedeuten könnte.
Was ist Rassvet – und wer steckt dahinter?
Rassvet ist eine geplante Konstellation aus Hunderten Kommunikationssatelliten in niedriger Erdumlaufbahn (LEO), die Breitband-Internet mit globaler Abdeckung liefern soll – vom gleichen Grundprinzip her also ein direktes Pendant zu Starlink von SpaceX. Entwickelt wird das System vom Moskauer Unternehmen Bjuro 1440 (Бюро 1440), das zur IKS Holding gehört. Der Name spielt übrigens auf die Erdumrundung an: 1440 Minuten hat ein Tag.
Anders als viele russische Raumfahrtvorhaben ist Rassvet kein reines Staatsprojekt: Bjuro 1440 ist privatwirtschaftlich organisiert, wird aber mit erheblichen staatlichen Mitteln und Krediten unterstützt. Das Projekt ist Teil der nationalen Strategie, eine eigene, unabhängige Kommunikationsinfrastruktur aufzubauen.
Aktueller Stand 2026: Die ersten Satelliten sind im Orbit
Nach zwei erfolgreichen Testmissionen in den Vorjahren hat das Projekt 2026 die entscheidende Phase erreicht:
- 23. März 2026: Start der ersten 16 Serien-Satelliten – zwölf davon erreichten ihre Zielumlaufbahn.
- Juli 2026: Eine zweite Gruppe von 16 Satelliten folgte und steigt derzeit auf ihre Betriebshöhe.
- Bis Ende 2026: Sieben weitere Starts sind angekündigt; die erste Ausbaustufe soll rund 300 Satelliten umfassen.
- Langfristig: Geplant ist eine Konstellation von etwa 900 bis 950 Satelliten auf polaren Umlaufbahnen in rund 800 Kilometern Höhe.
Erste Nutzertests sollen noch 2026/2027 beginnen, ein regulärer kommerzieller Betrieb wird ab etwa 2027 angepeilt. Wie bei allen Raumfahrtprojekten gilt: Zeitpläne können sich verschieben – das ursprünglich frühere Startfenster wurde bereits mehrfach angepasst.
Technik im Vergleich: Rassvet vs. Starlink
Bjuro 1440 verspricht Datenraten von bis zu 1 Gbit/s pro Nutzerterminal bei einer Latenz von etwa 50 bis 70 Millisekunden – Werte, die mit Starlink vergleichbar oder auf dem Papier sogar besser wären. Die polaren Umlaufbahnen sollen ausdrücklich auch den hohen Norden und den Nördlichen Seeweg abdecken, wo klassisches Internet über geostationäre Satelliten wegen der hohen Breitengrade schlecht funktioniert.
Der Größenunterschied ist allerdings deutlich: Starlink betreibt bereits mehrere Tausend Satelliten und bedient Millionen Kunden weltweit, während Rassvet erst am Anfang steht. Auch bei Nutzerterminals, Massenproduktion und Startkapazitäten (Raketenstarts) muss Russland erst beweisen, dass es das Tempo halten kann. In einer späteren zweiten Phase sind zusätzlich Satelliten auf niedrigeren Bahnen (300–500 km) für mobiles Internet und IoT-Dienste vorgesehen.
Was bedeutet das praktisch für das Leben in Russland?
Für den Alltag in Moskau oder Sankt Petersburg ändert sich zunächst wenig – in den Großstädten ist Glasfaser-Internet günstig, schnell und weit verbreitet. Interessant wird Rassvet vor allem für:
- Entlegene Regionen: Dörfer, Datschen-Siedlungen und kleinere Orte in Sibirien, Karelien oder im Fernen Osten, wo bislang nur langsames Mobilfunk-Internet oder gar nichts verfügbar ist.
- Den hohen Norden: Siedlungen und Infrastruktur entlang des Nördlichen Seewegs, die heute kaum ans Netz angebunden sind.
- Unterwegs: Perspektivisch Züge, Schiffe und Fernstraßen – etwa auf der Transsib, wo die Verbindung heute regelmäßig abreißt.
Wichtig zu wissen: Starlink ist in Russland nicht verfügbar und wird es absehbar auch nicht sein. Wer heute außerhalb der Städte lebt, ist auf Mobilfunk (4G, punktuell 5G-Tests) oder teures geostationäres Satelliten-Internet angewiesen. Rassvet wäre die erste echte Breitband-Alternative für die Fläche. Preise für Endkunden sind noch nicht bekannt; zunächst dürften Staat, Verkehr und Industrie als Erstkunden bedient werden, bevor Privatanschlüsse folgen.
Und wie gut das Internet im Land heute schon funktioniert, erlebt man am besten selbst – zum Beispiel auf einer unserer Russland-Reisen.
Einordnung: Warum baut Russland ein eigenes System?
Der Aufbau einer eigenen Satelliten-Konstellation hat für Russland strategische Gründe: Unabhängigkeit von westlicher Kommunikationsinfrastruktur, Anbindung des riesigen, dünn besiedelten Territoriums und technologische Souveränität. Westliche Beobachter weisen zugleich darauf hin, dass solche Systeme grundsätzlich zivil wie staatlich nutzbar sind – das gilt für Rassvet ebenso wie für vergleichbare Projekte anderer Länder. Offiziell positioniert Bjuro 1440 das Netz als kommerzielles Breitband-Angebot.
Unabhängig von der Geopolitik ist Rassvet eines der ambitioniertesten russischen Technologieprojekte der letzten Jahre. Ob der Zeitplan hält und die versprochene Leistung in der Praxis ankommt, wird sich in den kommenden zwei Jahren zeigen – wir behalten die Entwicklung für euch im Blick.
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