Kolomna (russisch Коломна, ausgesprochen „ka-LOM-na“) ist eine Stadt in der Oblast Moskau, rund 115 Kilometer südöstlich der russischen Hauptstadt gelegen, und zählt mit ihren etwa 140.000 Einwohnern zu den bedeutendsten historischen Städten der Region. Was auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche russische Provinzstadt wirken mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als lebendiges Freilichtmuseum: Kolomna blickt auf eine mehr als 800 Jahre alte Geschichte zurück und hat einen bemerkenswerten Teil seines mittelalterlichen Erbes bis in die Gegenwart bewahrt.
Das Herzstück der Stadt ist der mächtige Kolomnaer Kreml, dessen rostrote Backsteinmauern und wuchtigen Türme aus dem 16. Jahrhundert noch heute die Altstadt dominieren. Einst war diese Festungsanlage eine der wichtigsten Verteidigungslinien des Moskauer Fürstentums gegen die Überfälle der Goldenen Horde – Zar Wassili III. ließ sie eigens von italienischen Baumeistern errichten, die auch am Moskauer Kreml mitgewirkt hatten. Eingebettet in diese historische Kulisse erstreckt sich die Altstadt von Kolomna mit ihren gepflasterten Gassen, orthodoxen Kirchen und bunten Kaufmannshäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die die Atmosphäre vergangener Jahrhunderte auf erstaunlich authentische Weise lebendig halten.
Doch Kolomna ist nicht nur ein Ort für Geschichtsinteressierte: Die Stadt hat sich in den letzten Jahren auch als kulinarisches Ausflugsziel einen Namen gemacht – und das dank einer Süßigkeit. Die Pastila, ein traditionsreiches russisches Konfekt aus Äpfeln, das hier seit dem Mittelalter hergestellt wird und im 19. Jahrhundert beinahe in Vergessenheit geriet, erlebt in Kolomna eine aufwendig inszenierte Renaissance. Heute lockt das eigens gegründete Pastila-Museum Besucher aus ganz Russland und dem Ausland an und macht die Stadt zu einem der charmantesten Reiseziele in der Moskauer Oblast.
Fakten: Kolomna
| Region | Oblast Moskau |
| Bevölkerung | 140.000 |
| Koordinaten | 55.08°N, 38.78°O |
| Bekannt für | Kreml, Altstadt, Pastila-Konfekt |


🏛 Verwaltung
| Bürgermeister | Denisov Andrej Wladimirowitsch |
| Behörde | Stadtverwaltung Kolomna |
| Anschrift | Lazerevskij Pereulok 14, Kolomna |
| Website | www.kolomna.ru |
| Telefon | +7 (496) 618-54-54 |
Lage in Russland
Geschichte
Kolomna gehört zu den ältesten Städten der Region Moskau und blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins frühe 12. Jahrhundert reicht. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt datiert auf das Jahr 1177, als Kolomna in der Laurentiuschronik als bedeutende Siedlung an der Mündung der Kolomna in die Oka erwähnt wird. Dank seiner strategisch günstigen Lage an zwei schiffbaren Flüssen entwickelte sich der Ort rasch zu einem wichtigen Handels- und Militärzentrum des Fürstentums Rjasan. Im Jahr 1301 wurde Kolomna vom Moskauer Fürsten Daniil Alexandrowitsch eingenommen und in das aufstrebende Fürstentum Moskau eingegliedert – ein Schritt, der die Geschichte der gesamten Region nachhaltig prägte. Von hier aus zog Fürst Dmitri Donskoi im Jahr 1380 mit seinem Heer in die legendäre Schlacht auf dem Kulikowo-Feld, in der die russischen Truppen die Mongolen entscheidend besiegten.
Im 16. Jahrhundert erlebte Kolomna eine seiner bedeutendsten Bauphasen: Auf Befehl von Zar Wassili III. wurde zwischen 1525 und 1531 der mächtige Kreml aus Backstein errichtet, der die Stadt gegen tatarische Überfälle schützen sollte. Die imposante Festungsanlage zählt noch heute zu den am besten erhaltenen Kremls Russlands und prägt das Stadtbild maßgeblich. Unter Iwan dem Schrecklichen diente Kolomna wiederholt als Aufmarschbasis für Feldzüge gegen das Kasaner Khanat. Mit der Ausdehnung des russischen Reiches nach Osten verlor die Stadt zwar ihre militärische Schlüsselrolle, behauptete sich jedoch als florierendes Handelszentrum, in dem besonders der Getreide- und Salzhandel boomte. Im 18. und 19. Jahrhundert siedelten sich zudem erste Manufakturen und Betriebe an, die den Grundstein für die spätere Industrialisierung legten.
In der Sowjetzeit wandelte sich Kolomna grundlegend: Die Stadt wurde zu einem bedeutenden Industriestandort ausgebaut, dessen bekanntestes Unternehmen das 1863 gegründete Kolomnaer Lokomotivwerk war, das in der UdSSR zu einem der wichtigsten Produzenten von Diesellokomotiven und Schiffsmotoren aufstieg. Zahlreiche neue Wohnviertel entstanden, die Bevölkerungszahl wuchs erheblich, und Kolomna erhielt den Status einer Großstadt. Trotz der umfassenden Industrialisierung und der damit verbundenen baulichen Veränderungen blieb der historische Stadtkern mit seinem Kreml weitgehend erhalten. Heute ist Kolomna eine der meistbesuchten Touristenstädte der Oblast Moskau – ein lebendiges Zeugnis russischer Geschichte, in dem mittelalterliche Architektur, revolutionäre Industriegeschichte und moderne Stadtentwicklung auf engstem Raum zusammentreffen.
Wirtschaft
Kolomna zählt zu den bedeutendsten Industriestandorten der Oblast Moskau und blickt auf eine lange Tradition als Produktionsstadt zurück. Das Herzstück der lokalen Wirtschaft bildet der Kolomnaer Lokomotivbau-Werk (Kolomenski Sawod), eines der ältesten und größten Maschinenbauunternehmen Russlands, das seit 1863 Diesellokomotiven, Schiffsantriebe und Gasturbinen fertigt. Ebenso prägend ist das Konstruktionsbüro für Maschinenbau (KBM – Konstruktorskoje Bjuro Maschinostrojenija), das als führender Entwickler von Raketensystemen und Präzisionswaffen zu den strategisch wichtigsten Verteidigungsunternehmen Russlands gehört und der Stadt überregionale Bedeutung verleiht.
Neben dem Schwermaschinenbau und der Rüstungsindustrie spielen auch die Zementproduktion sowie die Lebensmittel- und Süßwarenindustrie eine wichtige Rolle – nicht zuletzt dank der weithin bekannten Kolomnaer Pastila, die heute als Markenzeichen der Stadt vermarktet wird und den Tourismus ankurbelt. Die geografische Lage an der Autobahn M5 sowie die Bahnanbindung an Moskau, rund 100 Kilometer entfernt, machen Kolomna zu einem attraktiven Logistik- und Wirtschaftsstandort innerhalb der Moskauer Metropolregion. In den letzten Jahren investiert die Stadt zudem verstärkt in die Entwicklung des Kulturtourismus als ergänzenden Wirtschaftszweig.
Bildung & Wissenschaft
Kolomna verfügt über eine solide Bildungsinfrastruktur, die der Stadt trotz ihrer überschaubaren Größe einen gewissen akademischen Charakter verleiht. Das bekannteste Institut ist die Staatliche Sozial-Pädagogische Universität Kolomna (Государственный социально-гуманитарный университет), die auf eine lange Tradition in der Lehrerausbildung zurückblickt und heute verschiedene geistes- und sozialwissenschaftliche Studiengänge anbietet. Darüber hinaus betreibt die Stadt mehrere Fachschulen und Berufskollegs, die vor allem technische und wirtschaftliche Ausbildungsgänge anbieten – passend zur industriellen Geschichte der Region. Von besonderer nationaler Bedeutung ist das Allrussische Wissenschaftliche Forschungsinstitut für Experimentelle Physik mit einem Zweigbetrieb sowie das renommierte Konstruktionsbüro für Maschinenbau (КБМ – Konstruktorskoje Bjuro Maschinostroyenija), das auf dem Gebiet der Raketentechnik und Präzisionswaffen tätig ist und eng mit staatlichen Verteidigungsprogrammen zusammenarbeitet. Diese Kombination aus pädagogischen Einrichtungen und rüstungstechnischer Forschung spiegelt das typische Profil einer russischen Mittelstadt wider, die historisch eng mit der sowjetischen Industriepolitik verbunden war.
Kultur & Sport
Kolomna besitzt ein bemerkenswertes kulturelles Leben, das weit über seine Stadtgröße hinausgeht. Das Kolomnaer Dramatheater (Kolomenski dramatitscheski teatr) zählt zu den ältesten Regionalbühnen Moskauer Oblasts und bespielt seit Jahrzehnten ein treues Stammpublikum mit klassischem russischen und internationalem Repertoire. Besonders sehenswert ist das Museum der Pastila – eine einzigartige Einrichtung, die der traditionellen Kolomnaer Apfelkonfektspezialität gewidmet ist, die im 18. und 19. Jahrhundert russlandweit berühmt war und heute als kulinarisches Kulturgut der Stadt gilt. Ergänzt wird das Angebot durch das Kolomnaer Kreml-Museum, das Stadtgeschichtsmuseum sowie das charmante Museum des vergessenen Geschmacks, das Besucher auf eine Zeitreise in die vorrevolutionäre Alltagskultur mitnimmt. Jährlich locken die mittelalterlichen Stadtfeste und historischen Ritterturniernachstellungen auf dem Kremlgelände tausende Gäste aus ganz Russland und dem Ausland in die Stadt.
Im Sport hat sich Kolomna vor allem im Eisschnelllauf einen außergewöhnlichen Ruf erarbeitet: Die Kolomnaer Eisschnelllauf-Arena gilt als eine der bedeutendsten Trainings- und Wettkampfstätten Russlands, aus der mehrere Olympiamedaillengewinner hervorgegangen sind. Der Eishockeyclub Triumf Kolomna sowie lokale Fußball- und Handballvereine sorgen für sportliche Begeisterung in der Bevölkerung. Gesellschaftlich zeichnet sich die Stadt durch einen starken Gemeinschaftssinn aus – die orthodoxe Kirchentradition spielt nach wie vor eine prägende Rolle im Alltag, und religiöse Feiertage werden mit großer Öffentlichkeitsbeteiligung begangen. Die lebendige Altstadt mit ihren Cafés, Handwerksbetrieben und kleinen Galerien hat in den letzten Jahren eine kreative Szene angezogen, die Kolomna zunehmend zu einem Ziel für Kulturtouristen aus Moskau und darüber hinaus macht.
Tourismus
Kolomna, rund 115 Kilometer südöstlich von Moskau gelegen, gehört zu den besterhaltenen historischen Städten der Moskauer Oblast und lohnt einen Tagesausflug oder ein verlängertes Wochenende unbedingt. Das Herzstück der Stadt ist der mächtige Kolomnaer Kreml aus dem 16. Jahrhundert, dessen rötliche Backsteinmauern und wuchtigen Türme zu den beeindruckendsten Festungsanlagen Zentralrusslands zählen. Innerhalb der Altstadt – lokal Posad genannt – schlängeln sich gepflasterte Gassen zwischen orthodoxen Kirchen, Kaufmannshäusern und kleinen Museen hindurch, die gemeinsam eine fast märchenhafte Atmosphäre erzeugen. Westliche Besucher sollten sich dabei keinesfalls das charmante Pastila-Museum entgehen lassen: Hier wird die Geschichte des traditionellen russischen Konfekts aus Äpfeln lebendig, das im 19. Jahrhundert sogar an den Zarenhof geliefert wurde. Eine Verkostung frischer Pastila in den historisch gestalteten Schauräumen ist ein sinnliches Highlight, das man so nirgendwo sonst erlebt.
Die beste Reisezeit für Kolomna ist der späte Frühling sowie der frühe Herbst – also Mai bis Juni oder August bis Oktober –, wenn die Temperaturen angenehm sind, die Touristenströme aus Moskau noch überschaubar bleiben und die Altstadt in warmem Licht erstrahlt. Im Winter verwandelt sich die Stadt mit Schnee auf den Kremlzinnen in eine malerische Kulisse, allerdings sollte man sich auf russische Kälte einrichten. Neben der Pastila gehören Kalatsch, ein traditionelles Kolomnaer Weizenbrot in charakteristischer Schlüsselform, und hausgemachter Ingwerlikör zu den lokalen Gaumenfreuden, die man in den kleinen Cafés der Altstadt probieren sollte. Praktischer Tipp: Kolomna ist per Elektritschka (Vorortzug) vom Kasaner Bahnhof in Moskau in etwa zwei Stunden bequem erreichbar – ein Mietwagen ist nicht notwendig, da die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gut zu Fuß erkundbar sind. Wer etwas Zeit mitbringt, dem empfiehlt sich außerdem ein Spaziergang entlang der Oka und Moskwa, an deren Zusammenfluss die Stadt malerisch thront.
Sehenswürdigkeiten
Der Kolomnaer Kreml
Der Kolomnaer Kreml zählt zu den am besten erhaltenen Festungsanlagen Russlands und beeindruckt mit seinen mächtigen Backsteintürmen aus dem 16. Jahrhundert. Auf einer Fläche von rund 24 Hektar erstreckt sich ein lebendiges historisches Ensemble aus Kirchen, Klöstern und gepflasterten Gassen. Wer die Stadt besucht, kommt an diesem Wahrzeichen schlichtweg nicht vorbei.
Die Uspenski-Kathedrale
Im Herzen des Kremls erhebt sich die Uspenski-Kathedrale (Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale), die bereits im 14. Jahrhundert gegründet wurde und in ihrer heutigen Form aus dem späten 17. Jahrhundert stammt. Das Innere beeindruckt mit prachtvollen Fresken und einer goldenen Ikonostase, die Besucher aus aller Welt anzieht. Die Kathedrale ist bis heute eine aktive orthodoxe Kirche und spirituelles Zentrum der Stadt.
Die Kolomnaer Altstadt (Posad)
Rund um den Kreml erstreckt sich der historische Posad, die alte Kaufmannsstadt mit charmanten Holzhäusern, bunten Fassaden und kopfsteingepflasterten Straßen aus dem 19. Jahrhundert. Hier lässt sich das vorrevolutionäre Russland noch authentisch erleben – ohne museale Kulisse, denn viele der Gebäude sind nach wie vor bewohnt. Ein Spaziergang durch die Uliza Laschkarjowa oder entlang der Moskwa-Ufer gehört zu den schönsten Erlebnissen in Kolomna.
Das Museum der Kolomnaer Pastila
Kolomna ist in ganz Russland für seine traditionelle Pastila berühmt – ein luftiges Konfekt aus Äpfeln, das hier seit dem Mittelalter hergestellt wird und einst selbst am Zarenhof geschätzt war. Das Museum im historischen Stadtzentrum führt Besucher auf unterhaltsame Weise in die Geschichte dieser Süßigkeit ein und bietet Verkostungen nach alten Rezepten an. Eine Schachtel original Kolomnaer Pastila ist das beliebteste Souvenir der Stadt.
Das Bogojawlenski-Goritski-Kloster
Das Bogojawlenski-Goritski-Kloster (Kloster der Erscheinung des Herrn) gehört zu den ältesten religiösen Stätten Kolomnas und geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Seine weiß getünchten Mauern und die zwiebelförmigen goldenen Kuppeln spiegeln sich malerisch in den umliegenden Gassen wider. Das Kloster ist eine stille Oase inmitten der lebhaften Altstadt und lohnt einen kontemplativen Besuch.
Der Fluss Oka und die Stadtpromenade
Am Zusammenfluss von Moskwa und Oka bietet sich ein panoramatischer Blick auf die Kremltürme und die sanfte Flusslandschaft rund um Kolomna. Die Uferpromenade lädt zu Spaziergängen ein und ist im Sommer ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen gleichermaßen. Von hier aus lassen sich auch geführte Bootsfahrten unternehmen, die die mittelalterliche Silhouette der Stadt aus einer ganz neuen Perspektive zeigen.
🧳 Reiseangebote nach Kolomna
Aktuelle Reiseangebote für Kolomna werden hier in Kürze verfügbar sein. Unsere Reiseangebote findest du aber jetzt schon hier: de.moyarossiya.com/russland-reisen/
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