Oblast Kemerowo (russisch Кемеровская область, ausgesprochen „kje-mje-ROW-ska-ja OB-last“) ist eine der bedeutendsten Industrieregionen Russlands und liegt im Herzen Sibiriens, eingebettet zwischen dem Ob-Tiefland im Westen und den Ausläufern des Sajangebirges im Osten. Mit einer Fläche von 95.725 Quadratkilometern – etwa so groß wie Portugal – und rund 2,69 Millionen Einwohnern zählt sie zu den am dichtesten besiedelten Regionen Sibiriens. Ihre Hauptstadt Kemerowo, gelegen am Fluss Tom, ist das politische und kulturelle Zentrum dieser durch Schwerindustrie geprägten Oblast. Die Region befindet sich in der Zeitzone UTC+7 und liegt damit sechs Stunden vor der mitteleuropäischen Zeit.
Der Name Kusbass – eine Kurzform für Kusnezker Kohlenbecken (Кузнецкий угольный бассейн) – ist in der russischen Industrie ein Begriff von historischem Gewicht, denn dieses Revier gilt als das größte Steinkohleabbaugebiet Russlands und eines der bedeutendsten weltweit. Die schwarzen Schätze unter der sibirischen Erde haben die Oblast Kemerowo seit dem frühen 20. Jahrhundert geformt: Zechen, Aufbereitungsanlagen und Bahntrassen durchziehen die Landschaft wie Adern eines gigantischen Industrieorganismus. Noch heute werden hier jährlich hunderte Millionen Tonnen Kohle gefördert, die in alle Teile Russlands und in zahlreiche Exportländer gelangen. Der Bergbau ist bis heute das wirtschaftliche Rückgrat der gesamten Region.
Doch Oblast Kemerowo ist weit mehr als Kohle und Stahl: Die zweitgrößte Stadt der Region, Nowokusnezk (Новокузнецк), beherbergt eines der größten Stahlwerke Russlands und blickt auf eine lange metallurgische Tradition zurück, die bis in die Sowjetzeit reicht. Einen faszinierenden Kontrast zur Industrielandschaft bildet das Schorie-Gebirge im Süden der Oblast – ein wildromantisches Mittelgebirge mit dichten Taigazonen, reißenden Gebirgsflüssen und dem bekannten Skigebiet Schemtschuschina Schorii, das russische Wintersportfans aus dem ganzen Land anzieht. Diese einzigartige Verbindung aus schwerindustriellem Erbe und ursprünglicher Naturschönheit macht die Oblast Kemerowo zu einer Region voller überraschender Gegensätze, die es lohnt, genauer zu entdecken.
Fakten: Oblast Kemerowo
| Typ | Oblast |
| Hauptstadt | Kemerowo |
| Bevölkerung | 2.690.000 |
| Fläche | 95.725 km² |
| Zeitzone | UTC+7 |
| Bekannt für | Kusbass (größtes Kohleabbaugebiet Russlands), Nowokusnezk-Stahl, Schorie-Bergreg… |


🏛 Verwaltung
| Gouverneur | Sergei Tsivilev |
| Behörde | Verwaltung der Oblast Kemerowo |
| Anschrift | Lenina Prospekt 18, Kemerowo |
| Website | www.ako.ru |
Karte & Lage
Geografie & Klima
Die Oblast Kemerowo liegt im Herzen Sibiriens, eingebettet zwischen der Westsibirischen Tiefebene im Norden und den mächtigen Gebirgszügen des Altai-Sajan-Systems im Süden. Das Gebiet erstreckt sich über rund 95.700 Quadratkilometer und wird vom Ob-Zufluss Tom durchzogen, der das gesamte Territorium von Süden nach Norden entwässert. Im südlichen Teil erhebt sich die malerische Schorie-Bergregion – auch bekannt als Gorny Schorija –, deren bewaldete Gipfel stellenweise über 1.600 Meter erreichen und dem Gebiet eine ausgeprägte alpine Kulisse verleihen. Hinzu kommen zahlreiche Gebirgsseen sowie die Ausläufer des Kusnezker Alatau im Osten, die das Relief abwechslungsreich und landschaftlich reizvoll gestalten. Diese topografische Vielfalt – von weiten Flussniederungen bis hin zu zerklüfteten Mittelgebirgen – macht die Oblast zu einer der naturräumlich interessantesten Regionen Westsibiriens.
Klimatisch befindet sich die Oblast Kemerowo in der kontinentalen Klimazone mit ausgeprägten Jahreszeiten und erheblichen Temperaturschwankungen. Die Winter sind lang und streng: Durchschnittliche Januartemperaturen liegen zwischen minus 17 und minus 22 Grad Celsius, in Tallagen der Gebirge kann es noch deutlich kälter werden. Die Sommer hingegen sind kurz, aber warm – im Juli steigen die Temperaturen im Durchschnitt auf 17 bis 20 Grad Celsius, wobei einzelne Hitzetage durchaus 30 Grad erreichen können. Der Niederschlag fällt vor allem im Sommer und ist im Gebirge deutlich höher als in den nördlichen Tieflagen. Die natürliche Vegetation wechselt von der Taiga im Norden, dominiert durch Fichten und Kiefern, hin zu dichten Mischwäldern und alpinen Wiesen im Süden. Trotz der intensiven industriellen Nutzung des berühmten Kusbass-Beckens – dem größten Kohleabbaugebiet Russlands – beherbergt die Region noch erhebliche Wildnisflächen, darunter das Naturschutzgebiet Kusnezki Alatau, das wertvolle Ökosysteme und seltene Tierarten schützt.
Geschichte
Die Geschichte der Oblast Kemerowo ist untrennbar mit der Industrialisierung Sibiriens verbunden. Bereits im 18. Jahrhundert erkundeten russische Siedler und Kosaken die Wälder und Flussläufe des Kusbass – eines Beckens, das sich zwischen den Ausläufern des Salair-Rückens und der Schorie-Bergregion erstreckt. Die einheimischen Völker der Schorzen und Teleuten hatten die Region seit Jahrhunderten bewohnt, bevor russische Händler und später Bergbauexpeditionäre das enorme Potential des Untergrundes erkannten. Die ersten Kohlevorkommen wurden im frühen 18. Jahrhundert entdeckt, doch eine systematische Ausbeutung ließ noch Jahrzehnte auf sich warten. Erst mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn im späten 19. Jahrhundert rückte das abgelegene Gebiet in den Fokus der Reichspolitik und legte den Grundstein für eine Entwicklung, die die Region für immer verändern sollte.
Die Sowjetzeit markierte die entscheidende Zäsur in der Geschichte der Region. Stalin trieb die Industrialisierung im Kusbass mit aller Macht voran: Innerhalb weniger Jahrzehnte entstanden Dutzende Zechen, Kokereien und Stahlwerke. Nowokusnezk – damals unter dem Namen Stalinsk bekannt – wurde zum Herzstück der sowjetischen Schwerindustrie und lieferte den Stahl für den Wiederaufbau der UdSSR nach dem Zweiten Weltkrieg. Hunderttausende Arbeiter, viele davon Zwangsarbeiter des Gulag-Systems, schufteten unter härtesten Bedingungen im Bergbau und in den Hütten. Die Oblast Kemerowo wurde 1943 mitten im Krieg als eigenständige Verwaltungseinheit gegründet – ein Beweis dafür, welch strategische Bedeutung die Region als Rüstungslieferant für die Sowjetunion besaß. Das Kusbass-Becken avancierte damit zum wichtigsten Kohleabbaugebiet Russlands, eine Stellung, die es bis heute behauptet.
Die Nachwendezeit brachte der Oblast Kemerowo tiefe Erschütterungen und zugleich einen mühsamen Neuanfang. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion brachen staatliche Subventionen weg, Zechen wurden geschlossen, und Massenentlassungen lösten schwere soziale Krisen aus. Die Bergarbeiterstreiks der frühen 1990er Jahre, die weit über die Region hinaus Aufsehen erregten, sind bis heute ein Symbol für den schmerzhaften Übergang zur Marktwirtschaft. Im 21. Jahrhundert erlebt der Kusbass eine ambivalente Entwicklung: Der Kohleexport – insbesondere nach China und Südkorea – sorgt für wirtschaftliche Stabilität, während gleichzeitig Grubenunglücke wie die Katastrophe in der Zeche Raspadskaja im Jahr 2010 oder das tragische Einkaufszentrum-Brand in Kemerowo 2018 die Grenzen der Infrastruktur und des Sicherheitswesens schmerzhaft offenbarten. Die malerische Schorie-Bergregion im Süden der Oblast entwickelt sich indes zunehmend zu einem touristischen Ziel und zeigt, dass das Kemerowo der Zukunft mehr sein will als nur das Kohlerevier Russlands.
Wirtschaft
Die Oblast Kemerowo – besser bekannt unter dem historischen Namen Kusbass – zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten Regionen Russlands und ist das Herz der russischen Schwerindustrie. Das Gebiet beherbergt das größte Kohleabbaugebiet des gesamten Landes: Rund ein Drittel der gesamtrussischen Kohleförderung sowie etwa zwei Drittel der begehrten Kokskohle stammen aus den tief verwurzelten Bergwerken und Tagebaustätten dieser Region. Unternehmen wie SUEK (Sibirische Kohleenergiegesellschaft) und Kusbassrasrezugol gehören zu den größten Arbeitgebern und prägen das wirtschaftliche Leben von rund 2,69 Millionen Einwohnern entscheidend mit. Der Kohlesektor ist dabei nicht nur Haupteinnahmequelle der Regionalkasse, sondern auch zentrales Standbein des gesamten russischen Energieexports.
Neben dem Kohlebergbau ist die Oblast Kemerowo ein bedeutendes Zentrum der Metallurgie und Stahlproduktion. Die Industriestadt Nowokusnezk beheimatet mit dem Westsibirischen Metallurgischen Kombinat und dem Nowokusnezker Hüttenwerk zwei der größten Stahlproduzenten Russlands, die vom lokalen Kokskohleabbau direkt profitieren und wichtige Vorprodukte für den Maschinen- und Fahrzeugbau liefern. Ergänzt wird das Wirtschaftsprofil der Region durch den Abbau von Erzen und seltenen Mineralien im malerischen Schorie-Gebirge im Süden, das gleichzeitig als aufstrebendes Wintersportgebiet touristisches Potenzial entwickelt. Chemische Industrie, Energieerzeugung und ein wachsender Maschinenbausektor runden das Bild einer Region ab, deren wirtschaftliche Stärke tief im Boden verankert ist – und die trotz globaler Energiewende weiterhin eine Schlüsselrolle in der russischen Industrieproduktion spielt.
Politik & Verwaltung
Die Oblast Kemerowo – auch als Kusbass bekannt – ist ein föderales Subjekt der Russischen Föderation und gehört zum Sibirischen Föderalbezirk. Als Oblast untersteht sie direkt der föderalen Ebene und wird von einem Gouverneur geleitet, der sowohl die Exekutive führt als auch die Region gegenüber der Zentralregierung in Moskau vertritt. Verwaltungssitz und politisches Zentrum der Oblast ist die Stadt Kemerowo, in der die wichtigsten Behörden und das regionale Parlament – die Gesetzgebende Versammlung der Oblast Kemerowo – ihren Sitz haben.
Administrativ gliedert sich die Oblast Kemerowo in mehrere städtische Bezirke sowie Rajons (Landkreise), die jeweils über eigene lokale Selbstverwaltungsorgane verfügen. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung als bedeutendstes Kohlefördergebiet Russlands nimmt die Region traditionell eine besondere Stellung innerhalb der russischen Regionalpolitik ein. Die enge Verflechtung von Schwerindustrie, Bergbaukonzernen und regionaler Verwaltung prägt seit Jahrzehnten das politische Klima der Oblast, die häufig als eine der industriell am stärksten geprägten Regionen Sibiriens gilt.
Tourismus
Die Oblast Kemerowo, besser bekannt unter dem historischen Namen Kusbass, überrascht westliche Besucher mit einer bemerkenswerten Vielfalt: Hier trifft Schwerindustriegeschichte auf wilde sibirische Natur. Das Kusbass-Becken ist das größte Kohleabbaugebiet Russlands, und wer sich für Industriegeschichte interessiert, findet in der Region einzigartige Einblicke in den sowjetischen und russischen Bergbau. In Nowokusnezk, der zweitgrößten Stadt der Oblast, zeugen monumentale Stahlwerke vom industriellen Erbe der Region – ein faszinierendes Kontrastprogramm für alle, die abseits klassischer Touristenpfade reisen möchten.
Das eigentliche Naturjuwel der Region liegt im Süden: das Schoria-Gebirge (russisch: Горная Шория, Gornaja Schoria) ist ein weitgehend unberührtes Mittelgebirge mit dichten Taiga-Wäldern, reißenden Gebirgsflüssen und malerischen Tälern. Das Skigebiet Schemaitschygora bei Taschtagol gilt als eines der besten Sibiriens und zieht vor allem im Winter Skifahrer und Snowboarder an. Im Sommer lockt die Region Wanderer, Rafting-Enthusiasten und Naturliebhaber, die echte sibirische Wildnis abseits des Massentourismus erleben möchten. Besonders reizvoll ist zudem der Kontakt mit der indigenen Bevölkerung der Schorzen, deren Traditionen, Handwerk und Küche einen unvergesslichen kulturellen Einblick bieten.
Die beste Reisezeit hängt stark vom gewünschten Erlebnis ab: Wintersportler sind von Dezember bis März bestens aufgehoben, wenn reichlich Schnee die Schoria-Pisten in ein Winterparadies verwandelt. Für Wanderungen, Rafting und Naturerkundungen empfiehlt sich der Sommer zwischen Juni und August, wenn die Temperaturen angenehm sind und die Taiga in vollem Grün erstrahlt. Direktflüge aus Deutschland existieren nicht – die Anreise erfolgt in der Regel über Moskau oder Nowosibirsk mit Weiterflug nach Kemerowo oder Nowokusnezk. Wer bereit ist, den logistischen Aufwand auf sich zu nehmen, wird mit einem authentischen Sibirien-Erlebnis belohnt, das sich grundlegend von den bekannten russischen Touristenzielen unterscheidet.
Die wichtigsten Städte in Oblast Kemerowo
Scheregesch
Sibiriens größtes Skigebiet, Berg Selenaja → Bald verfügbar
Kemerowo
Kohle-Hauptstadt, Tom-Fluss, Bergbaumuseum → Mehr erfahren
Nowokusnezk
Sibirisches Stahlzentrum, Kusbass-Erz → Mehr erfahren
Prokopjewsk
Kohlebergbau, Bergmann-Kultur → Mehr erfahren
Kisseljowsk
Schwarzkohle-Abbau → Mehr erfahren
Leninsk-Kusnezki
Bergbaustadt → Mehr erfahren
Sehenswürdigkeiten
Schorie-Gebirge und Naturpark Gornyaya Shoriya
Das Schorie-Gebirge im Süden der Oblast Kemerowo zählt zu den landschaftlich beeindruckendsten Regionen Westsibiriens und ist Heimat des gleichnamigen Naturparks Gornyaya Shoriya. Dichte Taigawälder, tief eingeschnittene Flusstäler und zerklüftete Felsgipfel machen das Gebiet zu einem beliebten Ziel für Wanderer, Skifahrer und Naturtouristen. Im Wintersport-Resort Scheregesh – einem der größten Skigebiete Russlands – finden jedes Jahr internationale Wettbewerbe und Festivals statt.
Nowokusnezk – Stahlstadt mit historischer Tiefe
Nowokusnezk, die größte Stadt der Oblast, wurde im frühen 17. Jahrhundert als russische Festungsstadt gegründet und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die weit vor der sowjetischen Industrialisierung beginnt. Das Nowokusnezker Hüttenwerk, eines der bedeutendsten Stahlwerke Russlands, prägt noch heute das Stadtbild und die Wirtschaft der Region. Kulturell lohnt sich ein Besuch des Nowokusnezker Stadtmuseums sowie des rekonstruierten Kuznetsk-Forts, das an die Ursprünge der Siedlung erinnert.
Kusbass-Kohlemuseum in Kemerowo
Die Gebietshauptstadt Kemerowo beherbergt das einzigartige Freilichtmuseum „Kusbass“, das die Geschichte des Kohlebergbaus – des wirtschaftlichen Herzens der gesamten Region – lebendig macht. Originalgetreue Nachbildungen von Grubeneingängen, historische Fördermaschinen und interaktive Ausstellungen vermitteln Besuchern ein authentisches Bild der harten Arbeitswelt unter Tage. Das Museum ist nicht nur für Technikbegeisterte ein Pflichtbesuch, sondern erzählt auch die menschlichen Geschichten hinter dem größten Kohleabbaugebiet Russlands.
Tomskaja Pisanitsa – urzeitliche Felszeichnungen am Tom
Am Ufer des Flusses Tom, unweit von Kemerowo, befindet sich die archäologische Freilichtanlage Tomskaja Pisanitsa mit über 280 Felszeichnungen, die bis zu 4.000 Jahre alt sind. Die in den Stein gemeißelten Darstellungen von Tieren, Schamanenfiguren und mythologischen Szenen geben faszinierende Einblicke in die Lebenswelt prähistorischer Völker Sibiriens. Das umliegende Museumsgelände umfasst zudem rekonstruierte Heiligtümer verschiedener indigener Kulturen der Region.
Nationaldenkmal „Pamjat Shakhterow“ – Gedenkstätte der Bergleute
Das eindrucksvolle Denkmal „Pamjat Shakhterow“ (Gedächtnis der Bergleute) in Kemerowo wurde errichtet, um den Tausenden von Kumpeln zu gedenken, die ihr Leben beim Kohleabbau im Kusbass verloren haben. Die monumentale Skulpturengruppe aus schwarzem Granit gilt als eines der emotionalsten Mahnmale Sibiriens und ist fester Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses der Region. Jedes Jahr am Tag des Bergmanns versammeln sich hier Tausende Menschen, um ihrer gefallenen Väter, Großväter und Kollegen zu gedenken.
🧳 Reiseangebote
Aktuelle Reiseangebote für Oblast Kemerowo werden hier in Kürze verfügbar sein. Unsere Reiseangebote findest du aber jetzt schon hier: de.moyarossiya.com/russland-reisen/
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